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Die Expertinnen und Experten aus der Immanuel Therapiewelt sprechen über die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten der Physiotherapie und Ergotherapie.
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Kindertherapie: Wie Physio- und Ergotherapie die Entwicklung unterstützen
In „Natürlich gesund“ spricht Julia Nogli mit Physiotherapeutin Franziska Weiß von der Immanuel Therapiewelt über Physio- und Ergotherapie für Kinder – von Entwicklungsverzögerungen bei Babys bis hin zu neurologischen Erkrankungen und Fehlstellungen. Wie frühe Therapie hilft und worauf Eltern achten sollten.
Julia Nogli: Sie sind bei Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli und wir sprechen heute über Kindertherapie, also physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlungen bei Kindern. Expertin und Gast hier bei mir im Studio ist Franziska Weiß, Physiotherapeutin bei der Immanuel Therapiewelt.
Franziska Weiß: Ich grüße Sie. Hallo. Guten Abend, Frau Nogli. Ja, Immanuel Therapiewelt.
Julia Nogli: Was gehört da denn alles dazu?
Franziska Weiß: Wir sind ein großer Bereich Physiotherapie, Ergotherapie gehört in unseren Bereich dazu. Und ja, das ist alles sehr interdisziplinär.
Also wir arbeiten da Hand in Hand. An mehreren Standorten oder wo sind Sie dann da? Ich bin in Berlin-Buch, aber wir haben auch noch einen Standort in Schöneberg und da ist es ähnlich. Auch da gibt es Physio- und Ergotherapeuten.
Julia Nogli: Okay, deswegen eine ganze Welt. Unterscheiden wir doch mal kurz, was ist eigentlich Physiotherapie? Was umfasst das alles?
Franziska Weiß: Physiotherapie ist eigentlich so alles, was wir im Alltag für Bewegungen machen, die wir ganz automatisch manchmal machen. Treppe steigen, im Haushalt Bewegungen, im Garten. Das sind alles so Bewegungen, die wir tagtäglich brauchen und uns manchmal gar nicht so Gedanken darüber machen.
Bei der Ergotherapie, da geht es viel auch um die Feinmotorik. Also ein Glas öffnen, solche Sachen. Da kümmern sich die Ergotherapeuten dann verstärkt drum.
Julia Nogli: Okay, Ergotherapie ist mir manchmal auch so aus Arbeitszusammenhängen oder so. Aber damit hat es nicht so viel zu tun, dass jemand besser sitzt auf der Arbeit oder irgendwelche Arbeitsabläufe besser gesteuert werden, rückenfreundlicher.
Franziska Weiß: Es ist manchmal wirklich schwierig, da den Unterschied so ein bisschen rauszukriegen. Doch die Ergotherapeuten haben sich das so ein bisschen angenommen, gerade am Arbeitsplatz, da viel zu unterstützen. Obwohl es natürlich auch ein Bereich der Physiotherapie ist.
Auch die Rückenschule, die Rückengymnastik und alles das, was daraus resultieren kann. Das sind alles auch Patienten, die dann zu uns in die Praxis kommen und auch bei uns auf der Liege liegen.
Julia Nogli: Ich glaube, ich kenne niemanden, der noch nie bei der Physiotherapie war und Anwendungen hatte aus den verschiedensten Gründen. Wir wollen aber heute mal auf die Kleinsten gucken, auf die Kinder. Kindertherapie, was gibt es denn da für Diagnosen oder Probleme?
Warum da eine Physiotherapie angezeigt sein kann?
Franziska Weiß: Da gibt es verschiedene Sachen. Das, was uns eigentlich so ganz häufig, auch, glaube ich, so im Alltag über den Weg läuft, sind einfach die Entwicklungsverzögerungen. Also das Kind kann sich nicht bis zu einem bestimmten Punkt drehen, nicht krabbeln, nicht laufen.
Das sind meistens so die Ersten oder die Kleinsten, die dann zu uns kommen. Und dann geht es natürlich aber auch bis zu den etwas Größeren, wenn da doch neurologische Auffälligkeiten sind, die dann vielleicht entdeckt werden. Da kann man auch physiotherapeutisch den Kindern viel beibringen, wie sie trotzdem im Alltag auch mit ihren Problemen gut zurechtkommen.
Julia Nogli: Gehen wir gleich noch mal zu den Kleinsten zurück. Das fällt dann vielleicht bei einer dieser U-Untersuchungen auf oder den Eltern selbst. Worauf sollten Eltern vielleicht selbst achten?
Franziska Weiß: Genau, die U-Untersuchungen sind da ganz, ganz wichtig. Ich finde, dass einfach auch die Ärzte mit einem geschulten Blick immer auf die Kinder schauen und schauen, passt es jetzt? Es gibt auch Eltern, die sind einfach sehr nervös und fragen auch, Mensch, warum kann dann mein Kind vielleicht sich noch nicht drehen, obwohl es noch gar nicht soweit ist?
Deswegen ist es wichtig, dass die Ärzte da immer wieder drauf schauen, auch manchmal so kleine Besonderheiten schon mal sehen, dass man da frühzeitig auch physiotherapeutisch eingreifen kann.
Julia Nogli: Da gibt es durchaus immer auch eine Zeitspanne. Also man muss nicht aufrecht sitzen können mit einem halben Jahr und soll auch nicht hingesetzt werden.
Franziska Weiß: Absolut, also die Kinder sollen selber in die Bewegung hineinkommen. Sie sollen das selber lernen, in den Sitz zu gehen, auch sich hinzustellen. Da muss nicht unbedingt der Laufwagen sein.
Da reicht auch manchmal nur die Hand, dass sie dann eben gut lernen, ihre Muskulatur aufzubauen und dann in den Stand zu kommen.
Julia Nogli: Und wenn es da jetzt doch Verzögerungen gibt oder Dinge, die da reguliert werden sollen und können hoffentlich auch, ist das schon dann eine Behinderung oder ist es nur erst mal irgendetwas, was man einfach beobachten muss und was man korrigieren kann?
Franziska Weiß: Genau, also oft sollte man es erst mal beobachten. Es gibt Kinder, die brauchen eben ein bisschen länger. Die sind eben ein bisschen gemütlicher, können auch manchmal gut Mama und Papa um den Finger wickeln, dass sie viel getragen werden, gar nicht so viel selber machen müssen.
Das können die Kleinen auch ganz, ganz gut und ganz geschickt machen.
Julia Nogli: Ja, also das muss man alles so ein bisschen fördern, aber eben nicht überfordern und so weiter. Und wo greifen Sie doch ein und in welcher Form? Man kann ja jetzt mit so einem kleinen Baby, können Sie da richtig Physiotherapie machen?
Franziska Weiß: Ja, also man kann schon gut mit Kindern Physiotherapie machen. Das sieht manchmal ein bisschen spielerisch aus, aber es ist wirklich, wir gucken mit einem geschulten Blick, was kann das Kind, was müsste das Kind können, um die Bewegung einzuleiten oder zu machen? Und wenn es das Kind nicht kann, wie kann ich jetzt das Kind dahin kriegen mit bestimmten Bewegungen, mit bestimmten Reizen, dass es eben einfach diese Bewegung einleiten kann.
Julia Nogli: Und warum ist es überhaupt wichtig? Man könnte ja sagen, wir warten ab, aber es sollen ja dann auch die folgenden Entwicklungsschritte gehen.
Franziska Weiß: Genau, genau, dass wir wirklich dann schauen, dass wir in den Entwicklungsschritt kommen, damit die Kinder einfach weiterkommen. Das ist immer ganz wichtig, dass das Kind einfach nicht stagniert, sondern versucht schon schnell von einem Bewegungsablauf in den nächsten zu kommen.
Julia Nogli: Also lieber doch öfter sowas in Anspruch nehmen oder auch früher als nicht, als zu warten. Was ist so mit Fehlstellungen? Hüfte hört man oft, Beckenfehlstellung oder so. Was können Sie da machen?
Franziska Weiß: Ja, bei der Hüfte ist es ja so, da wird ja relativ früh Diagnostik betrieben, gerade bei den Ärzten. Da kriegen denn die kleinen Patienten eine Hüfthose oder eine Windel, die schon versteift oder die eine Versteifung hat, damit die Kinder, damit die Hüfte sich erst mal gut ausbilden kann. Und dann kommen sie natürlich auch in die Physiotherapie und kriegen da spezielle Übungen.
Und auch die Eltern werden dann angeleitet, was sie mit ihren Kindern machen können oder was vielleicht eher nicht.
Julia Nogli: Und auch da wird etwas korrigiert, was sonst später zu Problemen führen kann.
Franziska Weiß: Genau, da wird dann mit diesen Hüfthosen oder mit diesen Windeln wird schon frühzeitig korrigiert, dass das sich dann gut entwickeln kann und gut ausbilden kann, dass die Kinder denn im Erwachsenenleben da wenig Probleme nur noch haben.
Julia Nogli: Was ist denn mit der Skoliose? Die kommt ja auch so oft vor. Wirbelsäulenverdrehung, glaube ich, oder seitliche. Wie wird das diagnostiziert?
Wann und was kann man da machen?
Franziska Weiß: Bei den Skoliosen ist es ein bisschen anders. Wenn Kinder mit Skoliosen zur Welt kommen, begradigen die sich meistens. Also dass die Entwicklung das sogar schafft, dass die Wirbelsäule sich wieder in die Mitte schiebt.
Wir machen uns erst Gedanken, wenn die Skoliosen erst ab dem Jugendalter kommen. Wenn dann gerade so bei den Mädchen hormonell Fehlformungen entstehen, dann können wir physiotherapeutisch da schön was machen. Und wir können versuchen, bis zum 21.Lebensjahr die Wirbelsäule noch aufzurichten. Da brauchen wir aber auch die Hilfe der Jugendlichen, dass dann natürlich auch zu Hause trainiert wird und das nicht nur in die Hände des Physiotherapeuten gegeben wird.
Julia Nogli: Man profitiert ja selber davon. Es sieht natürlich auch dann besser aus und die Folgeschäden bleiben dann hoffentlich aus, weil das ist relativ verbreitet.
Franziska Weiß: Ja, gerade unter den Mädchen sieht man es doch öfter. Leider gibt es aber nicht so viele Physiotherapeuten, die sich darauf so sehr spezialisiert haben.
Julia Nogli: Also ich selber habe zum Beispiel auch so ein Rundrücken. Also da hätte man auch unbedingt gegensteuern können. Aber jetzt zu spät.
Aber das gibt es schon auch oft, die sozusagen schlechte Haltung, wo man immer sagt, sitz gerade. Aber das ist auch genetisch, glaube ich, manchmal bedingt, oder?
Franziska Weiß: Absolut. Ja, na klar, haben wir einmal so ein bisschen die Vorbelastung, aber auch ganz typisch durch unser Berufsleben. Wir arbeiten viel nach vorne unten. Wir sind wenig in der Aufrichtung. Und das macht natürlich viel mit unserem Rücken.
Julia Nogli: Ist es denn so, aus Ihrer Sicht, weiß nicht, wie lange Sie in diesem Beruf schon sind, dass so etwas zunimmt oder wird es nur besser gesehen und diagnostiziert?
Franziska Weiß: Ja, es gibt schon immer Fehlstellungen. Ja, aber gerade auch bei den Kindern haben wir doch viele Kinder, die zu uns kommen. Die Eltern sind ein bisschen mehr sensibilisiert. Auch die Diagnostik ist sehr, sehr gut. In den letzten Jahren hat da sich viel entwickelt. Es wird auch schon früh diagnostiziert.
Auch bei manchen Kindern gibt es bestimmte Diagnosen, die schon vor der Geburt gestellt werden, wo die Eltern schon frühzeitig wissen, da muss eine Therapie stattfinden, egal ob physiotherapeutisch oder ärztlich. Da ist die Medizin schon sehr, sehr weit und greift viel früher ein.
Julia Nogli: Wir haben es vorhin schon mal kurz angedeutet. Es gibt natürlich auch wirklich Behinderungen, Handicaps, also etwas, was von Geburt an da ist oder durch die Geburt entsteht. Da kann man dann auch noch viel helfen oder zumindest eine Situation zu verbessern, wenn eine körperliche Einschränkung da ist. Ist das auch Ihr Gebiet?
Franziska Weiß: Das ist auch unser Gebiet. Auch da versuchen wir den Kindern viel zu helfen, dass sie Alltagsbewältigungen durch kleine Hilfsmittel, durch kleine Ideen oder durch kleine Bewegungsabfolgen, die wir mit den Kindern trainieren, ihnen einfach erleichtern und da helfen können.
Julia Nogli: Zum Beispiel gibt es ja durchaus nicht wenige Kinder, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Bekommen die auch Physiotherapie, um damit auch viel besser klarzukommen, gekräftigt werden?
Franziska Weiß: Ja, die bekommen auch Physiotherapie. Das Schöne ist, dass gerade im Bereich der Kinder gibt es sozialpädiatrische Zentrum. Da können die Eltern hingehen, da wird Diagnose betrieben.
Also es ist auch was Interdisziplinäres ein Bereich, wo Ärzte, wo Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, aber auch ganz viele andere Fachbereiche zusammenlaufen. Da wird dann mit den Kindern, auch mit den Orthopädie-Fachgeschäften gleich geguckt, was braucht das Kind, was braucht es für eine Versorgung, ob es ein Rollstuhl ist oder ein Stehständer, Orthesen. Das wird da versorgt, da werden die Kinder versorgt und kriegen auch gleich die Rezepte für die Physiotherapie, dass sie dann auch zu Hause weiter therapiert werden können.
Julia Nogli: Würden Sie denn generell, Sie sehen ja dann wahrscheinlich auch oft einen schönen Erfolg, dass etwas sich wirklich deutlich verbessert, also jetzt in jeder Hinsicht, wo Sie behandeln?
Franziska Weiß: Auf jeden Fall, also gerade bei den ganz Kleinen, bei den Entwicklungsverzögerungen meistens, das sind manchmal ein, zwei Behandlungen, wo dann die Mütter oder die Eltern kommen und sagen, Mensch, mein Kind konnte sich jetzt auf einmal drehen und hat gleich gezeigt, was wir gemacht haben. Und das ist dann schon schön zu sehen. Bei den neurologischen Erkrankungen, da ist es natürlich, da ist auch eine starke Grunderkrankung da.
Da sieht man nicht ganz so viel, aber auch da freut man sich, wenn man ihnen das Leben so ein bisschen leichter gemacht hat.
Julia Nogli: Was sind das für welche, an die Sie da denken? Was für Erkrankungen?
Franziska Weiß: Es gibt Muskeldystrophien, wo der Muskel abbaut. Es gibt einen offenen Rücken, wo die Kinder da ordentlich zu tun haben, auch mit dem Laufen. Und da sieht man dann doch einige Erfolge.
Und wenn dann so ein Kind mit einem strahlenden Lächeln in die Therapie kommt, das ist dann schon ein schönes Gefühl. Und dann weiß man, man konnte den Kindern helfen und hat was geschafft.
Julia Nogli: Ja, und die sich selbst. Das ist ja dieses berühmte Stichwort Selbstwirksamkeit. Das ist wahrscheinlich für Kinder wirklich toll, wenn sie da was trainieren können.
Franziska Weiß: Ja, absolut. Und bei den Kindern, das ist ja so alles, was sie gelernt haben, wollen sie natürlich ganz schnell umsetzen und im Spielerischen wiedergeben. Das ist ganz wichtig.
Julia Nogli: Nun fangen Sie teilweise schon mit sehr kleinen Kindern an. Behalten Sie das dann sozusagen im Blick oder auch die Eltern selbst? Und kann es sein, dass die nach einem Jahr noch mal wiederkommen oder irgendwie nach einiger Zeit?
Also haben Sie da schon Kinder über einen längeren Zeitraum beobachtet und behandelt?
Franziska Weiß: Ja, wir haben auch Kinder über einen längeren Zeitraum. Was auch ganz schön ist, gerade die neurologisch kranken Kinder, die werden ja oft in ihrem schulischen Alltag auch von Physiotherapeuten begleitet, dass dann da auch manchmal Therapie stattfindet, dass sie vielleicht nicht zu uns in die Praxis kommen, sondern eben im schulischen Bereich schon therapiert werden. Wenn es da aber nicht der Fall ist, genau kommen die auch wieder zu uns und kriegen dann bei uns weiter Behandlung.
Julia Nogli: Im Gegensatz zu vielen anderen Behandlungen ist es ja was, was nicht unangenehm ist, denke ich mal. Es lohnt sich schon, frühzeitig zu kommen, in Abklärung mit dem Arzt, zur Not eben einmal umsonst zu kommen, wenn Sie dann sagen, nee, das ist in Ordnung, das geht von alleine. Frühzeitig kommen und dann auch dranbleiben.
Da hat man wahrscheinlich seine Einheiten sechs oder zehn oder so.
Franziska Weiß: Genau, also so ein Rezept ist eigentlich so normalerweise immer sechs Mal, gerade auch bei den Entwicklungsverzögerungen. Da ist es auch so, dass die Kinderärzte eigentlich gerne, wenn sie sehen, dass die Entwicklung noch nicht da ist, wo sie sie gerne hätten, da gerne auch noch ein zweites Rezept noch ausstellen. Ansonsten sind es auch bei den neurologischen Kindern auch immer diese sozialpädiatrischen Zentren, die dann die Rezepte für die ambulante Physiotherapie ausstellen.
Julia Nogli: Okay, also da ist nichts übertrieben, sondern das hat alles seinen Sinn. Genau. Na dann, vielen Dank Franziska Weiß, Physiotherapeutin bei der Immanuel Therapiewelt.
Wenn Sie da mehr drüber wissen möchten oder Kontakt aufnehmen wollen, schauen Sie hier in der Mediathek auf www.paradiso.de unter Stichwort natürlich gesund. Einen schönen Abend für Sie mit Radio Paradiso.
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Physiotherapie vor Osteopathie: Der sinnvolle Weg zu ganzheitlicher Gesundheit
Was Physiotherapie umfasst, bei welchen Erkrankungen sie besonders gut helfen kann und was Osteopathie ist, erläutert Catrin Markert, Physiotherapeutin in der Immanuel Therapiewelt, in der Radio-Sendung „Natürlich gesund“.
Julia Nogli
Schön, dass Sie dabei sind. Hier ist natürlich gesund auf Radio Paradiso. Mein Name ist Julia Nogli und das Thema heißt heute Physiotherapie vor Osteopathie.Der sinnvolle Weg zu ganzheitlicher Gesundheit. Expertin und Gast hier im Studio ist die Physiotherapeutin Katrin Markert. Sie hat die fachliche Leitung der Immanuel Therapiewelt am Standort Berlin-Buch.
Hallo erst mal. Ich grüße Sie.
Catrin Markert
Guten Abend, Frau Nogli.Julia Nogli
Ja, wie lange beschäftigen Sie sich denn schon mit Physiotherapie? Und was ist jetzt als Standortleiterin da Ihre Aufgabe?Catrin Markert
Also mit der Physiotherapie beschäftigen tue ich mich seit 1985 und die Standortleitung in Buch habe ich seit fast 20 Jahren inne. Und da ist meine Aufgabe eben dafür zu sorgen, dass möglichst alle Kollegen eine gute fachliche Qualifikation haben. Und wenn die Kollegen Fragen haben, dass sie natürlich auch dann zu mir kommen können und dass wir dann auch Dinge gemeinsam besprechen und beraten können, wie wir zum Beispiel auch in einer Therapie vorgehen.Julia Nogli
Und dennoch, das sehe ich sogar in Ihrer Kleidung, praktizieren Sie das selbst?Catrin Markert
Ja, ich arbeite praktisch auch in Vollzeit und ich betreue drei Tage in der Woche Patienten im Hausbesuch und zwei Tage in der Woche bin ich dann in der Klinik oder am Standort Buch und kümmere mich dort um die Patienten und um meine Kollegen.Julia Nogli
Was genau umfasst Physiotherapie? Ich kenne von früher noch den Begriff Krankengymnastik.Catrin Markert
Ja, das ist eine Sache, die praktisch auch so ein bisschen durch die Wände verbunden wurde. Also in Westberlin oder in den alten Bundesländern gab es Krankengymnasten und medizinische Bademeister und Masseure und in den neuen Bundesländern gab es Physiotherapeuten und medizinische Bademeister und Masseure. Die Physiotherapie-Ausbildung umfasste immer auch noch die Ausbildung als in die Massage und Wassertechniken, wozu also praktisch hydrologische oder Hydro-Anwendungen gehörten.Und das war bei der Krankengymnastik nicht so. Ansonsten gehört praktisch zu unserem Berufsbild die ganz normale Krankengymnastik, manuelle Therapie, Lymphdrainage, Massagen natürlich auch, viele verschiedene Formen von Elektrotherapie-Anwendungen, Ultraschall, Gruppentherapien, im Wasser enttrocknen, also die volle Bandbreite.
Julia Nogli
Das ist wirklich ein großes Spektrum, wird wahrscheinlich eher sogar noch mehr als weniger. Betrifft es immer eher orthopädische Probleme oder auch andere?Catrin Markert
Eigentlich ist die Palette viel größer. Die orthopädischen Patienten nehmen schon einen großen Raum ein, aber wir behandeln auch neurologische Patienten oder auch Patienten, die praktisch einfach jetzt gerade zu der Zeit passenden Ski-Unfall hatten und die dann praktisch operativ versorgt wurden und dann, wenn sie wieder hier zu Hause sind in der Heimat, also physiotherapeutisch nachbehandelt werden müssen.Julia Nogli
Also diese Behandlung nach Unfällen, ist das die Hauptsache oder ist es nur so ein Aspekt unter vielen?Catrin Markert
Das ist ein Aspekt unter vielen. Also es ist wirklich eine ganz breite Bandbreite bei uns in der Praxis. Wir behandeln also vom Säugling bis zum alten Menschen alles.Meine älteste Patientin zurzeit zum Beispiel ist 97 Jahre alt.
Julia Nogli
Und ja, worum es da geht, das wissen Sie selbst am besten. Die Muskulatur wird gestärkt. Das hilft wiederum, auch wenn irgendein Schaden schon da ist, sozusagen.Oder es geht auch um Entspannung. Deswegen ja auch Massagen. Die Muskulatur wird entspannt.
Wo, wenn man das überhaupt sagen kann, kann denn Physiotherapie besonders gut helfen? Wie ist da Ihre Sicht drauf?
Catrin Markert
Also wenn jemand ein Problem hat mit einem Gelenk zum Beispiel oder mit der Wirbelsäule, also was zum Beispiel ja oft auch Probleme bereitet, gerade im zunehmenden Alter, sind die Schultern. Und da kann man mit Physiotherapie schon eine Menge erreichen. Schultergelenke sind muskelgeführte Gelenke und die Muskulatur im Schulter- vernachlässigen wir ja leider alle immer in unserem Leben ein bisschen.Und deswegen, wenn praktisch Patienten mit Schulterbeschwerden kommen, macht es immer Sinn, verspannte Muskulatur oder Partien zu lockern. Aber es ist auch ganz wichtig, praktisch die Muskulatur zu kräftigen, weil die Schulter ist ein muskelgeführtes Gelenk und es kommt häufig im Leben eben zu muskulären Dysbalancen und die müssen ausgeglichen werden. Und dazu helfen dann Übungen.
Julia Nogli
Genau, die berühmten Übungen hat jeder wahrscheinlich schon mal kennengelernt und die sollte man ja dann auch zu Hause weitermachen, oder?Catrin Markert
Ja, das wäre schon wünschenswert, aber es ist natürlich immer auch ein bisschen schwierig, das alles so in den Alltag einzubauen. Deswegen sage ich meinen Patienten auch oft, sie sollen sich also zum Beispiel bei einem Reha-Sport anmelden oder in einem Fitnessstudio oder in einer normalen Sportgruppe, die es ja auch in allen Stadtbezirken oder auch in vielen Gemeinden ringsum Berlin gibt, weil dann hat man so ein bisschen auch den Druck, wo man dann einmal in der Woche hingeht und meistens lernt man dort nette Menschen kennen und dann macht das Üben auch ein bisschen mehr Spaß und die Patienten können sich eben auch austauschen.Julia Nogli
Sie sagten ja vorhin, wie lange Sie sich schon, es sind ja schon Jahrzehnte, mit diesem Thema beschäftigen, darin arbeiten. Ich habe manchmal den Eindruck, beim Orthopäden ist man vielleicht zwei Minuten und die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut kennt sich auch super gut aus und eigentlich noch besser fast und hat dann auch so fast die Diagnose und dieses hat wirklich viel Ahnung, also schon fast in Richtung Arzt.Catrin Markert
Das stimmt und wir sind also wirklich gut ausgebildetes Menschen und es ist eben wirklich auch so, dass wir also unsere Ausbildung mal irgendwann gemacht haben oder machen und dann ein Leben lang Fortbildung auch besuchen und der tägliche oder die tägliche Arbeit am Patienten und die tägliche Arbeit an der Muskulatur, an den Strukturen, macht uns natürlich auch dazu Experten, sodass man also oftmals auch nur einen Griff hat und dann sagen die Patienten oft, ach, sie sind genau an dem Punkt, naja, ich weiß, wo ich suchen muss. Und das ist dann so auch bei vielen Patienten derselbe Punkt, der eben Beschwerden macht von der Sehne oder von der Kapsel.Julia Nogli
Da profitieren sie einfach von der Erfahrung. Viele, die dann was verschrieben bekommen, freuen sich natürlich auch immer gerne über Fango oder irgendwie Wärme und die Massagen vor allem. Aber das ist nicht in erster Linie.Es gibt, soll es immer beides sein und die Übungen oder gibt es manche, die auch wirklich nur das bekommen und für die auch nur das gut ist?
Catrin Markert
Also es kommt natürlich immer darauf an, was der Arzt verordnet hat, weil wir Physiotherapeuten sind daran gebunden, was der Arzt auf die Verordnung schreibt. Es werden tatsächlich relativ selten nur noch Massagen verschrieben, wobei ich das sehr gut finde, weil eine Massage ist immer eine angenehme Sache. Für die meisten Patienten, aber es ist eben eine passive Sache und mit dieser passiven Sache lösen sie das Problem auf Dauer nicht.Und es ist schön, wenn der Arzt eine manuelle Therapie verordnet, weil dann hat der Therapeut einfach auch ein größeres Spektrum, wo er praktisch mit verschiedenen Techniken rangehen kann. Und es ist eben auch so, wenn jemand mit einem Schulterproblem kommt, ist zum Beispiel auch immer die Halswirbelsäule muss man mit angucken. Und dann hat man also den Bereich, der der Patient Beschwerden macht, auch mit drin.
Und da gibt es auch aus der manuellen Therapie viele schöne Griffe. Manche tun weh, aber manche sind auch sehr angenehm. Und die Patienten merken eigentlich auch, dass sie nachhaltiger was von der manuellen Therapie oder von der Krankengymnastik haben als von der Massage, die ihnen einfach im Moment nur angenehm ist.
Julia Nogli
Dann kommen wir mal, das passt jetzt schon gleich ein bisschen rein, zur Osteopathie. Was ist das eigentlich?Catrin Markert
Na, die Osteopathie ist ein ganzheitlicher Ansatz, wo man praktisch guckt, wo könnte das Problem noch liegen? Also wenn man als Physiotherapeut an einem Gelenk arbeitet, dann guckt man sich die Strukturen an. Wir gucken uns auch die benachbarten Regionen an, ohne Frage.Aber bei der Osteopathie ist einfach der Kreis dann größer und man muss dann einfach gucken, wenn zum Beispiel ein Patient mit Schulterbeschwerden kommt. Bleiben wir mal so bei dem Thema Schulter. Und ich behandle den Patienten manualtherapeutisch und er kriegt auch seine Wärme und das hilft auch alles ganz gut.
Aber in drei oder vier Monaten ist der Patient wieder da mit dem gleichen Problem. Dann muss man anfangen zu überlegen, wo könnte das Problem liegen? Weil es scheint irgendwo einen Auslöser zu geben, der praktisch das Ganze triggert und immer dafür sorgt, dass die Beschwerden wiederkommen.
Und da setzt dann im Prinzip die Osteopathie an. Da guckt man dann mal in Zusammenhang, was sagen die Faszien, was sagen innere Organe? Es gibt also auch immer den Bezug an allen Regionen des Körpers zu inneren Organen.
Und manchmal kann man dann, wenn man da dann eben in die Tiefe geht, das Problem nachhaltig lösen. Und da haben Sie auch eine Art Fortbildung gemacht. Ja, die Fortbildung.
Also ich habe ein Diplom in osteopathischen Behandlungstechniken. Das habe ich bei der Deutschen Gesellschaft für manuelle Medizin gemacht. Und das umfasst eine Ausbildung oder eine berufsbegleitende Ausbildung, die über drei bis fünf Jahre geht und immer mit einem Diplom abschließt.
Also das ist ganz schön viel Arbeit. Das ist ganz viel Lernen. Und ja, aber es erweitert einem auch unheimlich den Horizont.
Und man ist also auch da lernt man nach Jahren oder Jahrzehnten noch und denkt Okay, jetzt kann ich mir manche Dinge erklären, warum die so sind und nicht anders.
Julia Nogli
Also so allgemein hat man den Eindruck, Osteopathie, das wird immer beliebter. Das ist irgendwie so ein Hype. Da gehen viele Leute hin, müssen ja oft das privat bezahlen oder immer vermutlich.Woran liegt das? Oder gibt es da vielleicht auch falsche Vorstellungen, was das angeht?
Catrin Markert
Naja, ich glaube, das hängt immer von dem Leidensdruck auch der Patienten ab. Und wir erleben manchmal, dass die Ärzte das auch sehr gut meinen und zum Beispiel einem Patienten sowohl eine Verordnung für eine manuelle Therapie geben als auch für eine Osteopathie. Die Osteopathie Verordnung ist eine Privatleistung.Also es ist dann auch ein Privatrezept. Und dann bin ich immer eher derjenige, der dann sagt So, wir machen jetzt erst mal die manuelle Therapie. Und wenn die ihnen hilft, dann brauchen wir die Osteopathie nicht.
Wenn aber zum Beispiel die manuelle Therapie nur einen bedingten Erfolg bringt, dann kann man immer noch mal sagen Okay, wir schauen noch mal mit der Osteopathie. Wobei, wenn ich eine saubere und gute physiotherapeutische Behandlung mache, kann ich auch schon ganz, ganz viel erreichen. Bei der Osteopathie ist es oft so, dass Dinge überlagert werden und das kann praktisch mit Unfällen zusammenhängen, die viele Jahre zurückliegen.
Und wenn dann noch ein Problem in der Region dazukommt, dann macht es also komplexere Probleme und dann brauche ich den Osteopathen oder die Physiotherapeutin, die osteopathisch ausgebildet ist, um praktisch ein bisschen aufzuräumen.
Julia Nogli
Das klingt ja manchmal ein bisschen so, als ginge es auch so ein bisschen in die Psychotherapie. Also dass man eben auch so guckt, was ist seelisch mit demjenigen los?Catrin Markert
Das finde ich, ist bei Physiotherapie fast immer auch mit der Fall. Wenn praktisch auch Patienten mit einer anderen normalen Verordnung kommen, die einen großen Leidensdruck haben, da sind wir Physiotherapeuten auch oft Psychotherapeuten und begleiten die Patienten, weil viele Patienten sind, wenn der Weg schon lange ist, also auch verzweifelt. Ja, bei der Osteopathie ist das nochmal einen Ticken stärker.Also da ist das schon noch ein bisschen mehr mit involviert. Wobei bei einigen psychischen Erkrankungen zum Beispiel, da muss man also auch osteopathisch vorsichtig sein und da muss man sich auch dann die Rückmeldung vom Neurologen oder vom behandelnden Psychologen holen, ob eine Osteopathie überhaupt angebracht ist. Also man kann psychische Beschwerden auch mit der Osteopathie verstärken.
Julia Nogli
Und ja, man kann von beidem aber auch keine Wunder erwarten. Sie können eben muskuläre Geschichten wiederherstellen. Aber wenn irgendwas schon ist, also zum Beispiel eine schwere Hüftarthrose oder irgendein anderer Gelenkverschleiß oder Bandscheibenvorfall oder sowas, da müssen dann andere Dinge helfen und sie dann später.Catrin Markert
Ja, also wenn man zum Beispiel die Hüftarthrose, wenn wir das als Beispiel nehmen wollen, da macht es auch Sinn, vor der OP schon was zu machen. Also es hängt ja immer so ein bisschen davon ab, welchen Grad der Arthrose. Dies ist immer in den Geraden 1 bis 5 eingestuft.Bis Grad 2, 3 kann man noch ganz gut rein physiotherapeutisch helfen. Ab Grad 4 oder 5 ist praktisch keine physiotherapeutische Linderung mehr möglich, weil das Problem, also das Gelenk ist kaputt. Das kann ich als Physiotherapeut auch nicht ändern.
Aber ich kann mit dem Patienten, bevor er zur OP geht, schon die Übungen üben, die nach der OP notwendig sind. Man kann auch ein bisschen schon die Muskulatur dehnen, weil oft ist die Muskulatur auch im Vorfeld verkürzt und abgeschwächt. Und es ist bewiesen, dass praktisch Patienten, die vor der OP schon Physiotherapie kriegen, nach der OP viel schneller auch auf die Beine kommen als Patienten, die praktisch ohne preoperativ behandelt worden zu sein, in die OP gehen.
Julia Nogli
Ja, letzte Frage vielleicht. Das klingt eigentlich wirklich nach einem tollen Beruf, der Sie auch erfüllt. Wie sieht es mit der Ausbildung aus?Inzwischen gibt es ja auch ein Studium, glaube ich, dahin. Würden Sie das empfehlen? Ist das immer noch eine schöne und sinnmachende Ausbildung, wo man auch einigermaßen verdient?
Catrin Markert
Also ich liebe meine Arbeit und ich habe das mein ganzes Leben geliebt. Auch da ist es wieder so geschichtlich ein bisschen anders. In der DDR war das so, dass wir praktisch alle ein medizinisches Fachschulstudium hatten.Wir sind also alle an Universitätskliniken ausgebildet worden, übers ganze Land verteilt. Dann nach der Wende wurde das praktisch eingestellt und das wurde eine Ausbildung, eine dreieinhalbjährige, die aber die Menschen alleine bezahlen mussten. Und das war was, was uns praktisch für unsere Berufsgruppe auch ein bisschen das Genick gebrochen hat, weil es konnte sich eben nicht jeder leisten, 15.000 oder 20.000 Euro für eine Ausbildung zu bezahlen. Und dann, so war es leider viele Jahre, auch noch schlecht bezahlt zu werden. Mittlerweile ist die Bezahlung besser, weil auch die Krankenkassen die Vergütung angehoben haben. Aber es ist nach wie vor immer wieder ein Kampf.
Es ist aber auch seit zwei Jahren jetzt wieder so, dass man praktisch ein Lehrlingsgeld bekommt, also die Ausbildung nicht mehr bezahlen muss. Und wir hoffen jetzt einfach, dass jetzt dann wieder ein bisschen Nachwuchs nachkommt, weil es ist uns wirklich, also in unseren Teams, wir haben wirklich, uns fehlt die Altersgruppe zwischen 20 und 35. Die sind also wirklich faktisch nicht vorhanden.
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Fachgerechte Versorgung
Susanne Kranich, Geschäftsführerin der Immanuel Therapiewelt, über das Leistungsspektrum der Immanuel Therapiewelt und die Ziele der physio- und ergotherapeutischen Behandlungen.