Hydrotherapie

Hydrotherapie ist die methodische Anwendung von Wasser zur Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden, zur Stabilisierung von Körperfunktionen (Abhärtung), zur Vorbeugung, zur Rehabilitation und/oder zur Regeneration.

Medizinische Bäder mit Zusatz

Medizinische Bäder sind in ihrer Wirkung hauptsächlich entspannend und lockernd. Je nach Zusatz können auch noch andere Effekte erzielt werden. Die medizinischen Bäder sollten in einem Raum von circa 19-22 Grad stattfinden und die Bäder selbst haben eine Temperatur von 35-38 Grad. Nach dem Bad soll eine kalte Abgießung oder Waschung der Abschluss sein. Danach empfehlen wir 1-2 Stunden Bettruhe. Das medizinische Bad kann verschiedene Zusätze haben. Die geläufigsten und bekanntesten sind:

  • Heublume werden bei Stoffwechselstörungen, insbesondere bei Fettsucht, Rheuma, Nervenentzündungen und Nervenschmerzen eingesetzt
  • Fichtennadel wirkt ausgleichend bei nervösen Störungen, Erschöpfungszuständen, Rekonvaleszenz, vegetativer Dystonie und Atemwegserkrankungen
  • Zinnkraut kann entzündungshemmend und gewebsstärkend bei Blasenschwäche, Hautallergien, wie seborrhoischen Ekzemen, Ulcus cruris, Afterrissen und gynäkologischen Erkrankungen sein
  • Rosmarin wird eine durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt und hilft bei Kreislaufstörungen, schlechter Hautdurchblutung, Hypotonie, vegetativer Dystonie und Muskelrheumatismus
  • Thymian setzen wir bei Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen, sowie bei Schwellungen und Verrenkungen ein, da es gefäßregulierend wirkt
  • Lavendel soll die Durchblutung fördern und wird bei schlechter Hautdurchblutung, Frostbeulen, unangenehmem Körpergeruch und bei Wechseljahresbeschwerden empfohlen
  • Molke ist hautheilend und wird zur Hautregeneration genutzt
 

Hydroelektrische Bäder

Bei dieser Therapieform handelt es sich um Gleichstrombäder durch Galvanisation, bei denen der Strom über großflächige Elektroden in das Wasser geleitet wird. Je nach Lage und Schaltung der Elektroden kann die Intensität verändert werden. Beim hydroelektrischen Vollbad, dem Stangerbad, durchfließt der Strom den ganzen Körper. Beim Zellenbad tauchen nur die vier oder weniger Gliedmaßen in einzelne Wannen ein (Vierzellenbad).

Indikationen:
  • Paresen
  • Hyperkinese
  • Neuritiden, Neuralgien
  • rheumatische Erkrankungen
  • periphere arterielle Durchblutungsstörungen
  • Erfrierungen
Kontraindikationen:
  • Hautdefekte oder Entzündungen
  • Träger von Schrittmachern

Hydroelektrisches Vollbad

Definition:

Elektrotherapie/-behandlung mit konstantem Gleichstrom unter Ausnutzung der Entspannungs- und Auftriebswirkung des warmen Wassers.

Therapeutische Wirkung:
  • Wirkungen des galvanischen Stromes: Hyperämie und Analgesie
  • Herabsetzung der motorischen Schwelle
  • Verbesserung der Trophik
Thermische Wirkungen:
  • Zunahme der Hautdurchblutung
  • Zunahme des Herzzeitvolumens und der Frequenz
  • Schmerzlinderung
  • vegetativ/psychische Entspannung
Hydrostatische (mechanische) Wirkungen:
  • Auftrieb mit Verringerung des Körpergewichtes und Entlastung der Gelenke, Bänder und Muskeln
  • Muskelentspannung
  • Blutvolumenverschiebung in den Thoraxbereich
Schädigungen/Funktionsstörungen:
  • Schmerzen bei Muskelspannungsstörungen
    Funktionelle und organische Durchblutungsstörungen
Therapieziel:
  • Schmerzlinderung
  • Muskelentspannung
Durchführung:
  • Spezialwanne mit einem Mindestfassungsvermögen von 600 Litern mit 6-9 stabilen und/oder beweglichen Elektroden.
  • Isolierte Nacken- und Kopfstützen sowie seitliche Griffe und Hilfen zur Lagerung des Patienten.
  • Füllung der Wanne mit frischem Wasser für jeden Patienten. Reinigung bzw. Desinfektion (bei infizierten Hautveränderungen) vor bzw. nach jeder Behandlung.
  • Individuelle Anpassung der Wassertemperatur gemäß Indikation
    Behandlung entsprechend der Befunderhebung in Anpassung an die subjektive Empfindlichkeit des Patienten mit unterschiedlichen Schaltungen.
  • Überwachung des Patienten

Hydroelektrisches Teilbad (Zwei-/Vierzellenbad)

Definition:

Elektrotherapie/-behandlung mit konstanten Gleichströmen in speziellen, voneinander getrennten Arm- und/oder Fußbadewannen mit stabilen oder beweglichen Elektroden zur Durchströmung der zu behandelnden Köperabschnitte unter Ausnutzung des lokal einwirkenden warmen Wassers.

Therapeutische Wirkung:
  • Wirkungen des galvanischen Stromes: Hyperämie und Analgesie
  • Herabsetzung der motorischen Schwelle
  • Verbesserung der Throphik
  • Thermische Wirkungen des warmen Wassers
  • besonders bei kreislauflabilen Patienten einsetzbar, da kein hydrostatischer Druck auf den Körperstamm (Rumpf) ausgeübt wird
Schädigungen/Funktionsstörungen:
  • Schmerzen, diffus oder örtlich begrenzter Weichteilschmerz
  • Schmerzen, nerval bedingt
  • Funktionelle und organische Durchblutungsstörungen im Bereich der Extremitäten
Durchführung:
  • Spezielle Teilbadewannen mit stabilen oder beweglichen Elektroden mit Elektrodenwahl und Stromausfallsperre
  • Füllung der Wanne mit frischem Wasser für jeden Patienten je nach Indikation, Reinigung bzw. Desinfektion (bei infizierten Hautveränderungen) vor bzw. nach jeder Behandlung
  • Individuelle Anpassung der Wassertemperatur gemäß Indikation.
  • Behandlung entsprechend der Befunderhebung in Anpassung an die subjektive Empfindlichkeit des Patienten
  • Überwachung des Patienten

Kohlensäurebad

Definition:

Medizinisches Wannenbad in CO²-imprägniertem Wasser, das mindestens ein Gramm freies gasförmig gelöstes CO² pro Kilogramm Wasser enthält. Das CO²-Bad kann auf physikalische (durch Kohlensäure-Imprägnierapparat) oder chemische Weise durch entsprechende Präparate bereitet werden. Die Wassertemperatur liegt zwischen 32° und 36° C, weil bei wärmerem Wasser zu viel Kohlensäure entweicht. Zur Anwendung kommen Voll-, Halb- oder Zweidrittelbäder.

Das verwendete Quellwasser kommt aus tiefen kohlehaltigen Schichten der Erde, wodurch es gasförmiges Kohlenstoffdioxid (CO2) aufgenommen hat. Wichtig ist, dass der Patient im CO2-Bad still liegt, ohne sich zu bewegen, damit sich die Gasbläschen auf der Haut absetzen können.

Therapeutische Wirkung:

In der Haut erweitert die Kohlensäure die arteriellen Blutgefäße, es kommt zur reaktiven arteriellen Ansammlung von Blut, die sich in heller Rötung der Haut zeigt und subjektivem charakteristischen Kribbeln. Trotz geringer Badetemperatur entsteht ein Wärmegefühl des Körpers. Dabei sind folgende Wirkungen zu erwarten:

  • Hyperämie der Haut (sprich eine Blutfülle in den oberen Hautschichten und damit verbundene Hautrötung)
  • Senkung eines erhöhten systolischen und diastolischen Blutdruckes
  • Senkung der Köperkerntemperatur bei niedriger Wassertemperatur
  • Herabsetzung der Empfindlichkeit der Thermorezeptoren in der Haut
  • Hydrostatische (mechanische Wirkung)
  • schnellere Blutströmung
  • Erweiterung von peripheren Arteriolen
  • Verlangsamung des Puls
  • erleichterte Herzarbeit
Schädigungen/Funktonsstörungen:
  • Trophische Störungen
  • lokale Durchblutungs- und Regulationsstörungen
Therapieziel:
  • Durchblutungssteigerung
  • Blutdrucksenkung
  • Sympathikustonussenkung

Empfehlenswert sind CO2-Kohlensäurebäder für Patienten mit Gefäßerkrankungen wie zum Beispiel:

  • M. Raynaud
  • Ulcus cruris
  • Gangrän
  • bei hohem Blutdruck
  • Herzmuskelschwäche oder für Patienten mit einem Herzklappenfehler
Durchführung:
  • Füllung der Wanne mit frischem Wasser für jeden Patienten, Reinigung bzw. Desinfektion (bei infizierten Hautveränderunge) vor bzw. nach jeder Behandlung
  • Temperierung des Wassers
  • Eingabe des CO²
  • Behandlung entsprechend dem individuell erstellten Behandlungsplan
  • Überwachung der Patienten

Angewendet wird das CO2-Bad als Vollbad und dauert zwischen 15 und 20 Minuten bei einer Temperatur zwischen 34 und 35 Grad Celsius, später 32 bis 33 Grad Celsius. Wichtig ist die anschließende Stunde als Nachruhe zur Regenerierung zu nutzen.

Künstliche CO2-Bäder können aus Chemikalien entwickelt werden oder durch Kohlensäure aus Flaschen bei Chemikalien: Präparate enthalten organische Säure und einkohlensaures Salz. Bei Vereinigung mit Wasser wird CO2 frei. Die physikalische Methode aus Flaschen ist besser. Mit einem Druck von 1,0-1,5 Atmosphäreüberdruck, abgekürzt als atü, wird CO2-Gas aus Flaschen mit Wasser gemischt und es entsteht eine gesättigte Lösung.

 
 
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